Ewig gestrig oder scharf?

Wie der Wunsch nach einer Hausorthografie entstand.

Ewig-gestrig mag keiner sein. Doch wenn Jubiläen näher rücken, darf man mal ein bisschen sentimental werden. In wenigen Wochen jährt sich der deutsch-österreichisch-schweizer Beschluss zur Sprachneuregelung zum 15. Mal. Und das Bald-Jubiläum der Rechtschreibeform am 01. Juli 2011 macht mal wieder bewusst: Manche Dinge waren schon schöner. Früher.

So zum Beispiel, dass man diesen einen, wunderbaren Buchstaben viel häufiger verwenden durfte. Jenen, der viel schöner aussieht als all die andern. Und: Beim Schreiben gleichzeitig weniger Arbeit und mehr Freude macht. Am wichtigsten aber: Der diesen großartigen Namen hat. Scharfes S.

Damit aber nicht genug. Während andere Buchstaben sich mit einem Namen begnügen müssen, ist hier nicht knausern, sondern prassen angesagt. Im Schwäbischen rufen sie ihn „Dreierles-S“, dort wo es eher förmlich zugeht meist „Eszett“. Aber auch als Ringel-S ist er bekannt. Wo kennt die Orthografie sonst noch solche Vielfalt? Da wundert es nicht, dass das moderne, scharfe S sogar eine eigene Facebook-Fanseite hat. Davon können A, B und C nur träumen.

Und ach, wankelmütige FAZ, den Kampf gegen die Rechtschreibreform hätte man sogar mitgekämpft. Einfach, um das wunderbare ß häufiger zu sehen. Muß man sich jetzt wohl selbst drum kümmern. Denn daß ihr inzwischen eine eigene Hausorthografie habt, das ist eine ganz andere Geschichte…

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