Liebe Leser

Viele Grüße aus Köln

Wir dürfen unverbindlich schreiben und auch persönlich, sehr vertraut und manchmal auch formell. Wofür wir uns entscheiden, zeigt sich oft schon mit dem ersten Wort. Manchmal auch erst mit dem letzten.

Eine zufällige Begegnung mit einem kleinen Begrüßungs- und Verabschiedungs-Knigge vom Institut für Internationale Kommunikation Düsseldorf brachte die alte Frage wieder auf: Wie viel Liebe darf in eine Mail – insbesondere in eine geschäftliche? „Bei Geschäftspartnern, die man nicht kennt oder nicht gut kennt, könnte diese Anrede zu intim sein“ warnt das IIK vor der favorisierten Anrede. Wirklich entscheiden mag man sich zwischen den formellen oder unverbindlichen Alternativen aber auch nicht – wenn auch noch so oft die Flucht ins Sehr Geehrte angetreten wird.

Schon fast wieder vergessen ist die Zerrissenheit zwischen der Liebe, dem Guten Tag und dem – natürlich gänzlich unschicklichen – Hey dann allerdings, als der Blick auf die Schlussformeln fällt. Ist es nicht schade, dass die „vorzügliche Hochachtung“ bereits als „konservativ und veraltet“ gilt? Warum gibt es neben den sonnigen und herbstlichen Grüßen aus Wien eigentlich keine frühlingshaften Grüße oder jene aus dem Schneetreiben? Und was macht die „Herzlichen Grüße vom Niederrhein“ schon geeignet für die Kategorie „eher persönlich“? Sind nicht die für ein entspanntes Wochenende weitaus persönlicher als das?

Mitten in der Suche nach der perfekten Verbindung zwischen dem Klassiker der freundlichen Grüße und dem wiederum ungeeigneten Ciao, Tschüss oder Bye, bye zeigt sich auch hier: Die lieben Grüße brauchen Vertrautheit. Ansonsten grüßt man lieber freundlich aus Köln.

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