Salve!

Latein im Alltag

Da steht er also, mein Freund. Gerade hat er sich noch sehr heftig dagegen verwehrt, er sei rettungslos in die Barfrau verliebt. Und schon wieder schmachtet er sie an, wirft ihr verstohlene Blicke zu. Quod erat demonstrandum, höre ich mich leise sagen. Und schauere sofort. Was war denn das?

Während sich Wortspektrum vor Kurzem an dieser Stelle noch den Wörtern widmete, die vom Aussterben bedroht sind, zeigt sich: die angeblich tote Sprache ist in unserem Alltag quicklebendig. Wem ist nicht Carpe diem! durch den Kopf gegangen, als Robin Williams von uns ging? Hat da nicht neulich einer Curriculum vitae über seinen Lebenslauf geschrieben? Und In vino veritas gestöhnt, als die Gespräche bei der zweiten Flasche dann intimer wurden? Die alten Römer sind nicht so tot wie viele denken.

Aber gehen wir doch direkt mal in medias res: Gerne würde ich eine Laudatio auf die Lateinlehrerin der Jugendzeit halten, rote Lippen, schwarzes Haar, im Pencilskirt. Mens sana in corpore sano, selten traf etwas so gut zu. Sie schmetterte mit großen Enthusiasmus Veni, vidi, vici! Die Sprache ward lange nur dank ihr weitergelernt, da habt ihr mich jetzt echt in flagranti erwischt. Aber ich würde mal sagen: In dubio pro reo. Denn während wir noch das Corpus delicti betrachten, muss ich nolens volens auf den Nachfolger verweisen, wenig Haare, untersetzt, in Strickjacke. Errare humanum est, dachte ich kurz, vielleicht ist es das doch, das echte Gesicht des Lateinischen.

Und so ward nicht cum laude abgeschlossen, so viel sei noch verraten. Doch von einer toten Sprache zu reden – das habe ich ad absurdum geführt, mea culpa.

In diesem Sinne: Salve!

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