Sprache oder Bier?

Egal, Feierabend.

Feier-abend. Wie oft nehmen wir diesen Begriff tatsächlich wörtlich? Kommt er dafür einfach zu oft? Ja, richtig, wir feiern streng etymologisch betrachtet damit auch eigentlich einen Feiertag, der mit dem nächsten Morgengrauen beginnt. So streng gesehen gäb‘s jetzt ein paar Tage lang keinen Feierabend mehr.

Aber, ach, lange her, heute lieben wir den Feierabend auch vor jedem Werktag. Genießen das Feierabendbier, das Feierabendmahl oder einfach nur die Feierabendstimmung. Feierlich. Vorher noch ein Feierabendgruß und dann schnell durch den Feierabendverkehr. Wundern kann es bei allem Feierabendenthusiasmus eigentlich nicht, dass der Duden den Feierabend zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch zählt. 2.300 Wörter deutsche Wörter sollte man beherrschen, um dieses zu erhalten. Der Feierabend gehört zum Glück dazu. So oder so.

Heute jedoch, im Übermorgen des Tags der Deutschen Sprache, wird der Feierabend mit einer gänzlich unfeierlichen Bedeutung ins Spiel gebracht. Sicher, es gibt auch Feierabendarbeit und Feierabendprojekte, den kleinen Feierabendnebenstrang. Dr. Holger Klatte, Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache, erkennt in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten zudem eine Gefahr für alle Wortfreunde: die Feierabendsprache, zu der die Heimatzunge zu werden droht. „Im Beruf, in der Werbung und in den Medien ist heute vieles auf Englisch“, erklärt er. Den Computer mag Klatte ebenso wenig wie das Jogging und auch nicht, dass sich keiner mehr die Mühe macht, englische Begriffe aus der Technik und den neuen Medien ins Deutsche zu übertragen.

Anlässlich des Jahrestags, nun gut: Jetzt macht alles schön das Weltnetz aus, fahrt euren Rechner runter, nehmt das schlaue Telefon und macht noch einen Dauerlauf – in den Feierabend natürlich!

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